3. Erarbeitung des Konzeptes zur Still- und Laktationsförderung und App-Entwicklung

Die Entwicklung, Adaption und Validierung des Konzepts zur Still- und Laktationsförderung erfolgt auf Basis der Theorie des geplanten Verhaltens. Hiernach resultiert das Still- bzw. Abpumpverhalten aus den Informationen und Überzeugungen, die die Mütter gegenüber der Ernährung mit Muttermilch besitzen. Neben der Erarbeitung und Formulierung eines konkreten Förderungskonzepts wird in diesem Arbeitsschritt eine App entwickelt, die Müttern Hilfestellung beim Abpumpen und Stillen geben soll.


Konzept zur Still- und Laktationsförderung


Das Konzept zur Still- und Laktationsförderung wird von 3 Teams mit unterschiedlichen Expertisen in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet. Die verschiedenen Perspektiven ergänzen sich, um das bestmögliche Konzept zu entwickeln.


Medizinische Expertise:
Die Arbeitsgruppe in Mainz bringt die medizinische Perspektive ein. Zu den Aufgaben des medizinischen Teams gehören die Recherche der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz zu stillfördernden Maßnahmen sowie deren Auswirkungen auf Frühgeborene unter 1500g und deren Mütter auf NICUs. Dabei werden internationale Studien zusammengefasst, um anschließend evidenzbasierte Handlungsempfehlungen abzuleiten. Diese Handlungsempfehlungen werden durch das medizinische Team in einem Handbuch verschriftlicht. Des Weiteren kümmert sich die Arbeitsgruppe in Mainz um die Konzipierung von digitalen Schulungen für alle Mitarbeiter*innen von NICUs, die Erstellung von Informationsmaterialen (Schulungsunterlagen, Flyer, Plakate) für Eltern und Mitarbeiter*innen auf neonatologischen Intensivstationen und die Unterstützung bei der Fragebogenentwicklung, der im Rahmen der Studie eingesetzten Fragebogeninstrumente. Die medizische Perspektive fließt zudem durch die fachliche Begleitung im Rahmen der App-Entwicklung und die Unterstützung der Social-Media Tätigkeiten im Projekt ein.

Neonatologie, Universitätsmedizin Mainz


Sozialpsychologische Expertise:
Das Forscher*innenteam vom CITEC der Universität Bielefeld vertritt die sozialpsychologische Perspektive im Projekt Neo-MILK. Anhand eines empirischen und partiell experimentellen Zugangs untersuchen wir u. a. das Zusammenwirken von stillbezogenenen und anderen Einstellungen und Normen auf die Stillbereitschaft und das Stillverhalten von Müttern frühgeborener Kinder. Auf der Basis empirischer Erkenntnisse leiten wir konkrete Empfehlungen für das Stillförderungskonzept ab. Ebenso tragen wir zur empiriebasierten Entwicklung von Schulungsmaterialien für Mitarbeiter*innen auf deutschen NICUs bei. Wir unterstützen andere Teilvorhaben des Projekts Neo-MILK zudem beratend durch das Einbringen sozialpsychologisch fundierter Expertise in die Materialentwicklung. Weiterhin fließt die sozialpsychologische Perspektive in die Gestaltung der Neo-MILK App ein, z.B. über zielgruppenorientierte Online-Befragungen zur Usability und zur gewünschten Gestaltung verschiedener App-Funktionen.

CITEC Center for Cognitive Interaction Technology, Universität Bielefeld


Verhaltensökonomische Expertise:
Das Team des Lehrstuhls Health Management unter Leitung von Prof. Dr. Daniel Wiesen trägt die verhaltensökonomische Expertise im Projekt. Hierbei befassen wir uns mit den verhaltenswissenschaftlichen Aspekten der Entscheidung zum Stillen und der Ernährung mit Muttermilch bei Frühgeborenen. Gegenstand unserer Forschung ist der Einfluss von internen verhaltensrelevanten Aspekten wie beispielsweise Präferenzen, Persönlichkeitsmerkmalen und Überzeugungen, aber auch den extern gegebenen Eigenschaften der Entscheidungssituation auf die Entscheidungen von Müttern bzw. Eltern zur Ernährung ihres frühgeborenen Kindes mit Muttermilch. Unsere Forschung sowie die hieraus abgeleiteten Maßnahmen richten sich sowohl an Mütter bzw. Eltern frühgeborener Kinder als auch an die Mitarbeiter*innen der NICUs, die die Mütter und deren Partner*innen bei den Entscheidungen rund um Muttermilch unterstützen bzw. beraten.

Behavioral Management Science und C-SEB, Universität zu Köln